Der Baumkreis: Welcher Baum zu deinem Geburtstag gehört
Eiche, Linde oder Birke? Der sogenannte keltische Baumkreis ist beliebt, aber eine moderne Erfindung. Hier findest du deinen Baum – und die ehrliche Geschichte dahinter.
06.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Vielleicht hast du schon einmal gelesen, dass du ein Nussbaum bist, eine Linde oder eine Birke. Der sogenannte keltische Baumkreis ordnet jedem Geburtsdatum einen Baum zu und beschreibt dazu passende Charakterzüge. Er ist beliebt, weil er naturverbunden wirkt und eine schöne Alternative zu den zwölf Tierkreiszeichen bietet.
Bevor du deinen Baum suchst, lohnt sich allerdings ein ehrlicher Blick auf die Herkunft. Denn mit den Kelten hat der Baumkreis nach allem, was man weiss, nichts zu tun.
Eine moderne Erfindung
Es gibt keine Quellen aus keltischer Zeit, die ein solches Baumhoroskop belegen. Der Baumkreis in seiner heute verbreiteten Form ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Er tauchte in den 1970er-Jahren in französischen Zeitschriften auf und verbreitete sich von dort auch im deutschsprachigen Raum.
Schon vorher hatte der britische Schriftsteller Robert Graves in seinem Buch „Die weisse Göttin“ von 1948 einen Baumkalender entworfen, den er aus dem irischen Ogham-Alphabet ableitete. Auch diese Konstruktion gilt als poetische Interpretation, nicht als überlieferte keltische Praxis.
Das heisst nicht, dass der Baumkreis wertlos ist. Er ist ein modernes Deutungssystem, das zum Nachdenken über dich und die Natur anregen kann. Du solltest ihn nur nicht für uraltes Druidenwissen halten.
So ist der Baumkreis aufgebaut
Der Baumkreis umfasst 21 Bäume. Die meisten sind zwei Zeiträumen im Jahr zugeordnet, die sich etwa ein halbes Jahr gegenüberliegen. Die Pappel hat sogar drei. Vier Bäume stehen für einen einzigen Tag: die Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst sowie die Sonnenwenden im Sommer und Winter.
Je nach Buch verschieben sich die Grenzen um einen Tag. Wenn dein Geburtstag an einer Grenze liegt, lies ruhig beide Beschreibungen.
Welcher Baum zu deinem Geburtstag gehört
Eine gängige Variante sieht so aus:
- Tanne: 2. bis 11. Januar und 5. bis 14. Juli
- Ulme: 12. bis 24. Januar und 15. bis 25. Juli
- Zypresse: 25. Januar bis 3. Februar und 26. Juli bis 4. August
- Pappel: 4. bis 8. Februar, 1. bis 14. Mai und 5. bis 13. August
- Zeder: 9. bis 18. Februar und 14. bis 23. August
- Kiefer: 19. bis 29. Februar und 24. August bis 2. September
- Weide: 1. bis 10. März und 3. bis 12. September
- Linde: 11. bis 20. März und 13. bis 22. September
- Eiche: 21. März
- Hasel: 22. bis 31. März und 24. September bis 3. Oktober
- Eberesche: 1. bis 10. April und 4. bis 13. Oktober
- Ahorn: 11. bis 20. April und 14. bis 23. Oktober
- Nussbaum: 21. bis 30. April und 24. Oktober bis 11. November
- Kastanie: 15. bis 24. Mai und 12. bis 21. November
- Esche: 25. Mai bis 3. Juni und 22. November bis 1. Dezember
- Hainbuche: 4. bis 13. Juni und 2. bis 11. Dezember
- Feigenbaum: 14. bis 23. Juni und 12. bis 20. Dezember
- Birke: 24. Juni
- Apfelbaum: 25. Juni bis 4. Juli und 23. Dezember bis 1. Januar
- Olivenbaum: 23. September
- Buche: 21. oder 22. Dezember
Was die Bäume bedeuten sollen
Die Charakterbeschreibungen greifen oft auf alte kulturelle Bilder der Bäume zurück. Einige Beispiele aus der üblichen Deutung:
- Eiche: Kraft, Standfestigkeit und Mut, angelehnt an ihr hohes Alter und hartes Holz.
- Linde: Ausgleich und Geselligkeit – die Linde war vielerorts der Dorfbaum, unter dem man sich traf.
- Olivenbaum: Weisheit und Frieden, passend zum alten Friedenssymbol des Ölzweigs.
- Birke: Leichtigkeit und Neubeginn, denn sie besiedelt als Pionierbaum gern freie Flächen.
- Weide: Empfindsamkeit und Anpassungsfähigkeit, wie ihre biegsamen Zweige.
Diese Bilder sind Deutung, keine Charakterdiagnose. Nimm mit, was dich anspricht.
Dein Impuls: Besuch deinen Baum
Der schönste Zugang zum Baumkreis führt nach draussen:
- Such in deiner Umgebung ein Exemplar deines Baumes, im Park, im Wald oder in einer Allee.
- Besuche ihn in jeder Jahreszeit einmal und fotografiere oder skizziere ihn.
- Notiere, welche Eigenschaften des Baumes du bei dir wiederfindest und welche nicht.
So wird aus einer modernen Erfindung eine echte Beziehung zur Natur – und das ist vielleicht mehr wert als jede überlieferte Legende.
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